Pjotr X im Interview
Wie bist du zur Schreiberei gekommen?
Beizubringen hat man mir das schon in der Schule
versucht, jedoch bloß mit mäßigem Erfolg. Zu einigen Feinheiten der Grammatik
bin ich noch immer zu blöd. Aber das macht nix, dafür habe ich das
Dativ*Akkusativ-Gendern erfunden und schreibe fortan zur Entlastung meiner
Lektoren dem*n.
Im Ernst, auch ich gehöre zu den Berufenen, die schon immer gerne geschrieben
haben, trotz der pädagogischen Defizite meiner Lehrer.
Am Ende der Studienzeit habe ich einen ersten Roman
verzapft, eine Love-Story. Würde ich heute nicht mehr schreiben, aber ein
Faible für Sex steckt da schon drin.
Praktisch bin ich ein Spätstarter. Ich war Mitte
vierzig, als ich begonnen hatte, Horror zu schreiben. Und eigentlich bin ich
gar kein Horrorfan im klassischen Sinne, wobei ich mich natürlich mit dem Genre
auseinandersetze.
Bin eher aus Frust über das Fernsehprogramm angefangen
zu schreiben. Im Internet gab es die passenden Inspirationen auf verbotenen
Seiten.
Deine Bücher sind im Horrorgenre angesiedelt. Was
fasziniert dich an dieser Thematik?
Der Reiz der Grenzüberschreitung. Sachen schreiben zu
dürfen, die eigentlich Tabu sind. Regeln zu brechen. Ja, ich will schockieren.
Und vieles andere langweilt mich. Bei einem normalen
Krimi wird ausgeblendet, wenn die Kettensäge anspringt. Bei Pjotr X fängt es
genau da an. Und ich fürchte, genau das ist Realität. Die ist nämlich brutal
und es gibt keinen Ausschaltknopf. Und Aufgabe von Literatur ist auch, die
Realität darzustellen, auch wenn das nicht unbedingt jeder lesen will.
Wie sieht dein Schreibprozess aus?
Am Anfang ist der Splatter. Zumindest eine Idee für
ein Splatter-Szenario um das eine Handlung gelegt wird. ‚USA 2085‘ war
vielleicht der erste Plot bei dem es zuerst eine Handlung gab, zu der ich dann
passende Splatter-Szenen kreiert habe.
Wenn ein grobes, ich nenne es ‚Inhaltsverzeichnis‘
steht, schreibe ich munter drauflos, oft kreuz und quer die Kapitel, wo ich
grad Lust drauf hab. Als ich Bock hatte, eine Lesbenszene zu schreiben, habe
ich das bei Courtneys Passion zwischendurch eingefügt. So kommen meine
Vorstellungen, wenn sie am präsentesten sind, direkt aus meinen Kopf in den PC.
Wie reagiert dein direktes Umfeld auf deine
Geschichten?
Keine Ahnung. Seit ich schreibe habe ich nur noch
selten Besuch. Früher habe ich oft gegrillt, aber da kommt niemand mehr.
Spaß beiseite. Weitgehend habe ich positive Reaktionen
im Umfeld. Muss man natürlich entsprechend sensibel mit umgehen.
Welcher deiner Charaktere liegt dir mehr, als alle
anderen am Herzen und warum?
In Jessica aus USA 2084 bin ich immer noch verliebt. Die
erste Liebe vergisst man nicht! Aber ich mag auch Luna aus USA 2085, die eine
Menge von mir selbst hat. Valentina aus dem Snuff Theater ist ebenfalls eine
Lieblingsfigur von mir, aber mit der würde ich mich nicht trauen ins Bett zu
gehen. Inzwischen habe ich wohl ein Faible für die Bösen. Bei Courtneys Passion
mag ich Alyssa.
Darf ein Autor in diesem Genre für seine Charaktere
Mitleid empfinden oder blockiert das deinen Schreibflow?
Manchmal tun sie mir leid. Aber Figuren die während
des Schreibens aufmucken, töte ich einfach.
Ich entwickele durchaus emotionale Bindungen zu meinen
Figuren, aber deren Schicksal steht von vornherein fest. Daran habe ich noch
nie gerüttelt. Da bin ich wohl eiskalt. Ich denke, je intensiver man sich
selbst mit den Figuren identifiziert, umso glaubwürdiger kann man sie
beschreiben.
Was inspiriert dich?
In der Regel sind es optisch wahrgenommene Bilder aus
Medien, selten auch Textquellen oder Dinge wie Nachrichtenmeldungen. Daraus
formen sich unabhängig von der Inspirationsquelle eigene Szenarien, wobei für
die Entstehung einer Plotidee in der Regel Splattermotive auslösend sind.
Weniger abstrakt ausgedrückt: Kreuzigungen haben wir alle schon mal in
irgendwelchen Filmen gesehen. Bei mir ist dann aufgrund eines Funken plötzlich
die Idee da, selbst eine Kreuzigungsstory zu schreiben.
Wie sehen deine Recherchen für deine Geschichten aus?
Ich recherchiere sehr viel, heute geht das zunächst
über Google, aber das reicht meist nicht. Oft kommen Einschätzung von Fachleute
dazu, zu denen ich in sozialen Netzwerken Kontakt finde. Bei medizinischen
Fragen halte ich das für wichtig. Also um genau zu wissen, woran Menschen bei
einer Kreuzigung sterben, müsste man es tatsächlich nachstellen. Alles andere
ist blanke Theorie.
Vom Ablauf her forsche ich konkret im laufenden
Schreibprozess, wenn ich spezielle Details wissen muss. Vorab recherchiere ich
wenig, lediglich Basics. Wenn dann die betreffenden Stellen geschrieben werden,
passiert es, dass ich mich mal einen Tag lang mit antiken Fesselmethoden
beschäftige und wie Nägel geschmiedet wurden.
Bist du im Schreibprozess jemals auf etwas gestoßen,
was du aus moralischen oder anderweitigen Gründen nicht umsetzen konntest?
Ein heikles Thema. Anfangs wollte ich verschiedene
Dinge nie schreiben, wie Nekrophilie. Das habe ich aber dann bereits bei der
nächsten Story über Bord geworfen. Im Prinzip würde ich alles schreiben, aber
es gibt in Deutschland einen gesetzlichen Rahmen, der speziell zwei Themen
untersagt, sprich Sodomie und U18 Sex. Da halte ich mich an die Paragrafen.
Meine persönliche Meinung ist jedoch, dass ich es
schade finde, dass es eine gewisse Zensur gibt. Denn eine Aufgabe von Kunst und
Literatur ist, die Realität zu beschreiben. Ein Verbot real existierende Dinge
fiktiv darzustellen oder zu spiegeln, widerspricht da bereits im Ansatz dieser
Definition von Kunst.
Kannst du uns verraten, woran du gerade arbeitest?
Irgendwas mit Sex und Horror
This or that
Dein Autorenleben
Roman
oder Kurzgeschichte?
Roman
Frühschreiber
oder Abendschreiber?
Nachtschreiber
Drinnenschreiber
oder Draußenschreiber?
Drinnen
Mit
Snacks schreiben oder ohne Snacks schreiben?
Ohne
Romanabschluss
feiern oder nicht feiern?
Es entlockt mir ein Lächeln
Deine Favorites
Pizza
oder Nudeln?
Dank Diabetes beides gestrichen
Frühaufsteher
oder Langschläfer?
Schlafloser
Natur
oder Stadt?
Stadt
Bier
oder Wein?
Cola Zero
Tee
oder Kaffee?
Kaffee
Süßes
oder Deftiges?
Zucker ist Gift
Kinogänger
oder Couchgenießer?
Schreibtisch-Junky
Strandurlaub
oder Sightseeing?
Verlasse
möglichst nicht mein Domizil
Ich danke Pjotr X für dieses Interview. Das erste Buch, welches ich von ihm las - und es war auch eins meiner ersten überhaupt aus diesem Genre - war Snuff Theater. Ich hab es so gefeiert. Pjotr X war maßgeblich als Täter daran beteiligt, dass mich dieses Genre so eingefangen hat. Dafür einen Dank mehr in seine Richtung.
Wenn du Interesse hast, an seinem neuesten Werk, findest du es hier!
Snuff Theater
USA 2084
USA 2085
Courtneys Passion
